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Mit Optimismus in die Zukunft blicken

29.10.2020

Wir haben unserem Projektleiter in SALEM-Ecuador Jonas Lange einige Fragen gestellt und sehr interessante Antworten über die momentane Lage und den grandiosen Zusammenhalt bekommen, sowie Ausblicke in die Zukunft. Krisen zeigen eben auch, auf wen man sich verlassen kann, und das lässt uns doch optimistisch auf die kommenden Jahre sehen. Vielen Dank für die genommene Zeit und die ausführlichen Antworten an Jonas Lange.

Wie ist die Lage in Ecuador und speziell bei Euch im Projekt?

Mittlerweile ist bei der Bevölkerung und den Gesundheitsbehörden mehr Routine eingekehrt. Offiziell werden durchschnittlich knapp 1.000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet. Bei 17 Mio. Einwohnern sind das also um die 40 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche. Wir vermuten aber, dass diese offiziellen Zahlen nicht sehr aussagekräftig sind, da wenig getestet wird. In Mindo gibt es nur 27 offiziell bestätigte Fälle seit Beginn der Pandemie bei ca. 5.000 Einwohnern.

Der Ausnahmezustand mit Ausgangssperren und Militärpräsenz ist Mitte September aufgehoben worden und die Wirtschaft nahezu wieder komplett geöffnet. An den Wochenenden ist Mindo oft voll mit Tagestouristen und deren Autos aus Quito.

Seit Mitte September, und nach vielem Hin und Her mit den Behörden, dürfen wir endlich wieder Kinder im SALEM-Zentrum betreuen, aber nur in Kleingruppen von 5 bis 7 Kindern und unter Einhaltung unseres ausführlichen Hygieneplans.

Aufgrund der geschlossenen Schulen und des damit gestiegenen Bedarfs an Angeboten der Kinderbetreuung haben wir uns entschieden, kürzere Betreuungszeiten (zwei mal zwei Stunden wöchentlich plus Ausflüge und Musikunterricht) anzubieten und dafür mehr Kinder aufzunehmen. Damit haben wir nun ca. 70 Kinder und Jugendliche in unserer Obhut.

Es macht allen viel Freude, dass wieder Leben in SALEM eingezogen ist. Oft stehen die Kinder schon eine halbe Stunde vor Beginn an der Tür und können gar nicht erwarten, dass es los geht.

Ist die Lage für die Kinder und Jugendlichen besonders schwer? Konntet Ihr in Kontakt bleiben?

Viel Sorge bereitet uns, dass die Schulen immer noch geschlossen sind. Die Kinder sind Ende Januar in die großen Ferien gegangen und haben seitdem keinen Fuß mehr in eine Schule gesetzt. Es besteht leider auch keine Aussicht, dass sich das bald ändern wird.

Die ersten Monate während des Lockdowns, konnten wir zu vielen Familien Kontakt über Telefon und WhatsApp halten. Bevor die Schule Mitte Juni mit Fernunterricht begann, schickten wir kleine Aufgaben und Aktivitäten per WhatsApp an die Kinder. Auch gelegentliche Hausbesuche führten wir durch, v.a. bei den Familien, die keinen Kontakt mit uns aus der Ferne hielten.

Nun sollen die Kinder also online lernen. Leider leben wir hier in einer ländlichen Gegend mit hohem Armutsanteil. Der Großteil der Familien hat keinen Internetanschluss oder Computer oder keinen Platz zum Lernen oder nichts von alldem.
Am häufigsten haben die Familien noch ein altes Smartphone mit WhatsApp, über das dann die vielen Geschwister versuchen, gemeinsam oder nacheinander ihre Aufgaben zu lesen und mit den Lehrern zu kommunizieren.

Ihr könnt Euch also vorstellen, wie unmöglich es dieses Jahr ist, dass die Kinder in unserer Gegend eine halbwegs vernünftige Schulbildung bekommen. Viele Familien haben ihre Kinder schon aus der Schule genommen, da sie die Anforderungen einfach nicht erfüllen können.

Was beschäftigt Euch im Moment am meisten?

Wir betreuen seit einigen Monaten verstärkt Kinder und Frauen, die Gewalt und Missbrauch erlebt haben. Weiterhin wollen wir eine umfangreichere psychosoziale Betreuung anbieten und brauchen dafür noch dringend finanzielle Unterstützung. Durch die Ausgangsperren sind in Ecuador die bereits hohen Fallzahlen bei häuslicher Gewalt und (sexuellem) Missbrauch weiter angestiegen. Eine therapeutische Begleitung der Opfer gibt es nahezu nicht. Auch sonstige Unterstützung von staatlicher Seite ist rar. Außerdem müssen wir natürlich auch weiterhin in der Prävention aktiv bleiben.

Hast Du auch positive Aspekte in der Krise erlebt? Größeren Zusammenhalt vielleicht?

Seit einigen Jahren fördern wir junge Leute mit kleinen Stipendien und Bildungskrediten für Universitäten und Fachhochschulen. Derzeit studieren sechs ehemalige SALEM-Kinder, vier davon mit unserer finanziellen Unterstützung. Nun hat die Corona-Krise und das damit verbundene Fernstudium sie alle wieder nach Mindo geholt. Wir sehen sie jetzt fast jeden Tag, sei es bei ehrenamtlicher Arbeit, einem praktischem Studiensemester oder bei ein paar bezahlten Arbeitsstunden im Projekt.

Es ist eine unglaublich engagierte Gruppe, die eng mit SALEM verbunden ist, und teilweise ihre berufliche Zukunft bei SALEM sieht.

Einmal pro Woche veranstalten wir kleine Workshops für sie, zum Beispiel zu Themen wie Zeitmanagement oder Selbstbewusstsein. Nun hatten sie die Idee, als Gruppe ihr eigenes kleines Geschäft aufzubauen und Tees aus einheimischen Kräutern und Heilpflanzen herzustellen. Ein befreundeter Restaurantbesitzer engagiert sich ehrenamtlich, um mit ihnen gemeinsam den Geschäftsplan auszuarbeiten und begleitet sie während der Entwicklungsphase.

Menschen wie er - lokale Unternehmer, Fachberater, Köche, also Experten auf ihrem Gebiet - haben uns während der Krise enorm unterstützt. Ehrenamtlich und sehr engagiert haben sie mit SALEM die humanitäre Hilfe koordiniert, Lebensmittelrationen berechnet, gepackt und verteilt, Spenden organisiert, Berichte geschrieben und ihre Erfahrungen mit uns geteilt.

Das alles hat unsere Gemeinschaft zusammengeschweißt. Wir haben viel voneinander und miteinander gelernt.

Was ist für die Zukunft geplant im Projekt? Was würdest Du Dir wünschen, wie das Projekt in fünf oder zehn Jahren aussehen soll?

Für die Zukunft planen wir, mehr soziale Unterstützung in der Region anzubieten und einen Bewusstseinswandel beim Thema Gewalt gegen Kinder und Frauen zu erreichen. Wie beschrieben gibt es hier keine ausreichende soziale Infrastruktur. Das nächste Frauenhaus ist hunderte Kilometer entfernt, eine funktionierende Behörde, die sich um die Belange von Kindern und Familien kümmert, sucht man vergebens. Dabei ist es nicht unser Ziel, alles selbst zu machen. Eine intensive Lobbyarbeit und eine Vernetzung der Institutionen sind auch erfolgversprechend.

Mit unserem (heil-)pädagogischen Konzept sind wir sehr erfolgreich. Oft werden Stimmen laut, dass SALEM doch eine eigene Schule eröffnen sollte. Das ist zwar eine interessante Vorstellung, mehr jedoch wünschen wir uns, dass unsere Erfahrungen in öffentlichen Schulen und bei der Kinderbetreuung in anderen Einrichtungen genutzt werden, um unseren Teil bei der Modernisierung des überforderten Bildungssystems beizutragen.

In fünf Jahren möchten wir eine starke Jugendarbeit anbieten können. In einem eigenen, noch zu schaffenden Jugendzentrum soll ein sicherer Raum entstehen, in dem sich Jugendliche entfalten und ihr Potential ausnutzen können, frei vom sozialen Druck der Straße, mit Drogen, Alkohol und Chauvinismus.

Wir stellen uns vor, dass die oben erwähnten engagierten jungen Leute, die mit SALEM aufgewachsen sind, in fünf bis zehn Jahren die Leitung der SALEM-Arbeit in Ecuador übernehmen und ihre langjährige Erfahrung und ihre persönlichen Erlebnisse einbringen.

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