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Wofür mache ich das eigentlich!?!

10.01.2020

Beruf und Berufung

Vor einiger Zeit bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem eine Lehrerin ihren Alltag beschrieben hat: Anstrengend, voll gepackt und mit hohem Stressfaktor. Aber doch immer wieder dazwischen kleine Begegnungen, die ihr das Herz aufgehen lassen.

Mein erster Gedanke: Sie spricht mir aus der Seele! Wenn ich morgens zur Arbeit fahre, kommen mir vor allem die schwierigen Aufgaben, die auf mich warten, in den Sinn. Und dann taucht auch die Frage auf: Wofür mache ich das eigentlich?!?

Warum höre ich mir zwanzig Mal an, wenn ein Jugendlicher, der in unserer Einrichtung lebt, mitten in meine Arbeit hineinplatzt und mir erklärt, dass hier alles schlimm sei und er sofort weg möchte?

Und warum müssen wir (und damit meine ich besonders die Fachkräfte in den Wohngruppen und der Arbeitstherapie) immer wieder Situationen aushalten wie die Folgende? Zwei unserer jugendlichen Bewohner geraten wegen Nichtigkeiten in Streit, es hagelt Drohungen und Beschimpfungen. Den Streit zu beenden ist kaum möglich, weil die beiden einfach immer weiter machen.

Ja, warum kümmern wir uns trotzdem?

Weil diese Jugendlichen uns brauchen und sich auch kurze Zeit später schon wieder von einer ganz anderen Seite zeigen können.

Da ist z.B. Ramona*, die mich heute freundlich und verschmitzt begrüßt. Nach monatelangen Konflikten mit Geschrei, Beschimpfungen, Angriffen gegen Dinge und auch Personen und einem etwa 10-wöchigen Klinikaufenthalt bringt sie sich nun einigermaßen aktiv in der Beschäftigungsgruppe mit ein und freut sich, dass sie Menschen um sich hat, die sie mag und von denen sie gemocht wird.

Oder Daniel, der auf einmal mit kindlicher Begeisterung hereinstürmt, um uns einen Regenbogen zu zeigen.

In diesen Momenten weiß ich, warum ich das alles mache: Es ist schön, Menschen in all ihren Facetten kennen zu lernen und ich genieße es jeden Tag, sie in ihrem Leben begleiten zu dürfen, ihre Durchhänger mitzutragen und dann auch ihre Erfolge mitzuerleben! Die meisten dieser Menschen haben in ihrem Leben Dinge „gelernt“, die man niemandem wünschen würde: Dass nur der Stärkere / Aggressivere das bekommt, was er braucht. Dass sie nie sicher sein können, ob ihr Gegenüber ihnen nicht doch etwas Böses will. Dass sie selbst nicht liebenswert genug sind, um bedingungslos gemocht zu werden. Daraus resultiert ein grundsätzliches Misstrauen in die Umwelt und das Leben, das häufig mit ständiger Alarmbereitschaft beantwortet wird. Es ist trotz allem Fehlverhalten der Versuch, das eigene Leben selbst in der Hand zu haben und darüber zu entscheiden.

Um solche festgefahrenen Verhaltensmuster aufzuweichen, müssen diese Jugendlichen und auch Erwachsenen Erfahrungen machen, die anders sind als ihre bisherigen. Dazu braucht es (professionelle) Begleiter, die ihnen immer wieder positive Erfahrungen verschaffen, gleichzeitig Klarheit vermitteln und einen langen Atem für diese Entwicklungsprozesse haben. Und vor allem brauchen sie Menschen, die sie mögen. Nur so kann Selbstvertrauen wachsen, was wiederum die Basis ist für alles weitere Lernen: Wenn ich mir selbst mehr vertraue, muss ich weniger aggressiv sein, kann auch mal eine Kritik hinnehmen und daraus lernen. Und dann gibt es immer wieder solche Momente, die einem das Herz aufgehen lassen und man weiß:

Darum mache ich das!

 Text von Marianne Bär, Einrichtungsleiterin SALEM-Höchheim

 

*Namen alle geändert

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