Süd-Sudan: „Gott sei Dank, Du lebst!“
22.12.2009Die Menschen im Süd-Sudan leiden unter den Folgen von über 40 Jahren Bürgerkrieg. SALEM-Mitarbeiter Sebastian Müller ist vor Ort und prüft, wo Hilfe ansetzen kann.
Bei größter Mittagshitze erreichten wir die Grenze zwischen Uganda und dem Süd-Sudan. Seit den frühen Morgenstunden waren wir bereits auf der mit Schlaglöchern gespickten Sandpiste unterwegs. Bis in die frühen Abendstunden sollte unsere Reise andauern, bis wir in Yei, einer der größten Ortschaften im Süd-Sudan und unserem ersten Reiseziel, eintrafen.
Wie um die Straßen steht es auch um den Rest des Landes. An vielen Ecken und Enden durch den Krieg zerstört, durch internationale Hilfe an den Hauptrouten notdürftig in Stand gesetzt, ungewiss, was die nächste Schlechtwetterfront hinterlassen wird.
Über 40 Jahre Bürgerkrieg haben von dem wenigen, das existierte, nicht viel übrig gelassen. Dort, wo es nichts mehr gibt oder nie etwas war und wo Leute nur wenig besitzen, muss häufig nahezu bei Null begonnen werden. Und doch ist insbesondere in den Städten Aufbruch und Neuanfang zu beobachten. Nicht immer findet der Wandel gerecht statt oder trägt zur sofortigen Verbesserung der Situation bei.
Die Schere zwischen Reich und Arm, Mächtigen und Machtlosen wird immer sichtbarer und weitet sich. Ein Beispiel: Um Yei eine florierende Zukunft zu sichern, entschied die Stadtverwaltung vor wenigen Wochen, das Straßennetz umfassend zu erweitern. Umgesetzt wurden die Pläne, die die britische Kolonialregierung vor über einem halben Jahrhundert entworfen hatte. Ein wesentlicher Teil der vorhandenen Straßen Yeis wurde in der Folge verbreitert. Nahezu alle der 50- bis 90-jährigen Mango-Bäume, die entlang der Straßen gepflanzt waren, fielen der Verbreiterung zum Opfer.
Und doch, trotz allem Negativen, wo Wege von Minen befreit und wieder nutzbar sind, können Menschen sich frei bewegen, Handel treiben und (erneut) zueinander finden. Auch Äguwa Alfred Moses, heute SALEM-Mitarbeiter in Uganda, konnte viele Familienmitglieder und Bekannte während unserer ersten Tage im Süd-Sudan ausfindig machen. Über 40 Jahre hatten Krieg, Flucht und Vertreibung ihre Wege getrennt und Kontakte waren vollständig abgebrochen.
Bewegend war die Wiedersehensfreude über den totgeglaubten Verwandten, häufig begleitet von Sätzen wie „Wir dachten, sie hätten auch Dich getötet“ und „Wir dachten, Du hättest uns schon lange verlassen, wie all die anderen“.
Ebenso bewegend war die traurige Feststellung, dass alle Altersgenossen, die in der Heimatregion, dem Ziel unserer Reise, verblieben waren, in der Folge des Krieges umgekommen oder inzwischen verstorben sind, da es lange Zeit keinerlei gesundheitliche Versorgung gab. Nur langsam erholt sich das einzige weit entfernte Krankenhaus der Region, ebenso wie die wenigen Gesundheitsstationen, denen es häufig an Personal und Medikamenten mangelt. „Wäre ich dort geblieben, wäre auch ich inzwischen tot“, sagte Moses eines Abends.
Seine Kinder hätten keine Möglichkeit für irgendeine Art der Schulbildung gehabt. Opfer von Landminen sind nicht selten und durch die unsichere Trinkwasserversorgung gibt es viele Menschen, die auf einem Auge oder beidseitig erblinden.
Es gibt viele Problemfelder, denen SALEM sich widmen könnte, um den Bewohnern des Mundri East County zu helfen, ihr Schicksal nun selbst in die Hand zu nehmen und ihre Lebenssituation zu verbessern. Nun sind wir dabei herauszufinden, wie und wo SALEMs Hilfe am dringendsten gebraucht wird. Ein beschwerlicher Weg. Bitte unterstützen Sie uns dabei mit Ihrer Spende!
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