02.09.2009Viele Menschen im Süden des Sudan leben im Elend. Deshalb entsendet SALEM nun zwei Mitarbeiter, um herauszufinden, welche Projekte beim Wiederaufbau helfen können.

In Europa ist das Bild vom Sudan vor allem durch Nachrichten über den Darfur-Konflikt im Nordwesten des Landes geprägt. Es wütete ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg zwischen der durch den Norden dominierten Zentralregierung und dem Süd-Sudan. Glaubensunterschiede zwischen Christen und Muslimen nährten den Konflikt; noch heute werden sie für machtpolitische Interessen missbraucht und sind Grund für ein allgemeines Misstrauen zwischen den Menschen der beiden Religionen. Bittere Bilanz des Krieges: Über vier Millionen Menschen mussten fliehen, die meisten von ihnen harren nun in Flüchtlingslagern aus. Weitere zwei Millionen Menschen starben. Doch obwohl 2005 ein Friedensabkommen geschlossen wurde und viele der Flüchtlinge in ihre Heimatregionen zurückkehren, bleibt besonders die Lage der Zivilbevölkerung kritisch. Es herrscht nicht nur ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit, auch mangelt es an sauberem Trinkwasser. Gefährliche Erkrankungen sind die Folge, doch gibt es kein funktionierendes Gesundheitssystem, geschweige denn genügend Krankenhäuser – nur jeder Vierte hat überhaupt Zugang zu medizinischen Einrichtungen. Bildung wäre der erste Weg aus der Armut, doch dieses elementare Menschenrecht erreicht die Menschen im Süd-Sudan kaum. Nur die Hälfte der Kinder im Grundschulalter geht zur Schule. Würden es alle tun, kämen auf einen Lehrer 1.000 Schüler.

Äguwa Alfred Moses kennt die Probleme im Süd-Sudan nur allzu gut – er ist dort aufgewachsen. Damals lernte Agua Moses von seinem Vater, wie man die Dächer der Häuser auf traditionelle Weise mit Stroh deckt. Doch schon bald zwang ihn der erste Bürgerkrieg zur Flucht, 1966 floh Moses im Alter von 24 Jahren nach Uganda. Als SALEM-Mitarbeiter gibt er dort heute sein Wissen als Dachdecker weiter. Im SALEM-Dorf in Uganda hat er bereits mehr als 50 Dächer mit Stroh gedeckt. Daneben ist er auch für Instandhaltungs- und Reparaturmaßnahmen verantwortlich. Doch bald wird er in seine alte Heimat zurückkehren, um die Rahmenbedingungen für ein neues SALEM-Projekt abzustecken. Sebastian Müller, seit Juli 2009 SALEM-Mitarbeiter für Afrika, wird ihn begleiten.

Was nun geschehen soll
Hilfe für den Süd-Sudan ist nach wie vor dringend notwendig. Doch Vorsicht: Viele Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit haben in der Vergangenheit Fehler gemacht. Die Menschen vor Ort wurden nicht in die Projekte mit eingebunden oder die örtlichen Bedingungen wurden unterschätzt. Folglich verliefen zahlreiche teure und scheinbar sinnvolle Projekte im Sand. Statt also überhastet drauflos zu helfen, wird SALEM zunächst die konkreten Bedürfnisse und Möglichkeiten der Hilfe vor Ort erforschen, um zu klären, wie und in welchem Umfang SALEM im Sudan aktiv werden kann. So wird nicht nur sichergestellt, dass das Projekt nachhaltig und langfristig erfolgreich ist, wie etwa das SALEM-Projekt im Nachbarland Uganda. So ist auch gewährleistet, dass Spenden sinnvoll und effizient eingesetzt werden.



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